Helfen und ein wenig lindern

on Sonntag, 04 Juni 2017. Posted in LEO's Blog

Helfen und ein wenig lindern

Helfen und ein wenig lindern

Erinnerungen, Gespräche und Ermutigung

 

 

Helfen und ein wenig lindern

 

Zu frühabendlicher Stunde klingelt das Telefon. Ich schiebe die Pfanne mit den Bratkartoffeln vom Feuer und folge dem Ruf: L・E・O’s Einsatz ist gefragt, Hildegard bitte um Hilfe. Computer, Drucker, Smartphone lassen sich nicht ansprechen. Den Router habe sie bereits gebootet, so, wie wir es ihr beigebracht hatten - half nur nicht.
„Nach dem Essen kommen wir zu Dir.“ Hildegard ist dankbar und freut sich auf unseren Besuch. Vor einem Jahr starb ihr Mann, seitdem lebt sie alleine. Zum Glück hat sie ihren Bruder als Nachbarn, sie sehen sich jeden Tag, nur kennt sich dieser mit der neuen Technik noch weniger aus als sie selbst.

Eine gute halbe Stunde später betreten wir die freundlichen Räume im Nachbarhaus. Die alte Dame zählt wackere 83 Jahre und ist eigentlich ein fröhlicher Mensch, aber der Verlust des geliebten Partners hat seine Spuren hinterlassen; sie hat sichtbar abgebaut, wirkt irgendwie klein, zusammengesunken, müde, traurig…

Während Uli sich voll und ganz auf die Hardware konzentriert, nehme ich mit Hildegard auf dem Sofa Platz und beginne ein Gespräch über dies und das. Es braucht nicht viel Ermutigung, sie kommt ins Plaudern, schüttet ihr Herz und ihre Gedanken vor mir aus, berichtet, erzählt, lacht, erinnert sich. „Komm mit ins Schlafzimmer, ich zeige Dir mein neues Bett“. Modern in weiß, darüber farbenfrohe, prächtige Blumenbilder an der Wand, alle selbst gezeichnet - ja, sie hat großes Talent. „Hier ist er gestorben, er fiel um und stöhnte und konnte sich nicht mehr rühren !“ Ich lege meinen Arm um die hängenden Schultern der alten Dame; gemeinsam trägt sich so eine massive Last vielleicht ein klein wenig leichter…

„Ausmisten möchte ich, die alten Dinge loswerden, sie belasten mich viel zu sehr.“ sagt sie, zieht mich in den Nebenraum und weist auf übervolle Schrankfächer. Dazu kann ich sie nur ermutigen: behalte, was Dir am Herzen liegt, und was Dich stört, das wirf einfach weg, Altlasten machen uns nur krank ! Ob ich helfen darf ?! „Danke, aber ich habe doch so viel Zeit. Manche Tage nehmen schier kein Ende, fernsehen, lesen, malen - nichts macht mir richtig Freude.“ Ein leises Seufzen ist zu vernehmen, dann lächelt sie wieder und meint: „Aber ich will gar nicht klagen, mir geht’s doch prima.“ Tapfer ist sie !

Währenddessen hat Uli das Problem gelöst: alle Geräte tun wieder genau das, was sie sollen. Hildegard ist glücklich: „Ich schließe Euch in mein Nachtgebet mit ein, Ihr seid wahre Schätze“.
Was für ein schöner Lohn ! Aber nicht genug: ein Geldschein wird gezückt, dazu gesellt sich eine Flasche Rotwein und ein Stück ihres Lieblings-Käses. Immer wieder dankt sie, lacht, umarmt uns und strahlt so viel Zufriedenheit aus, dass uns ganz warm ums Herz wird.

Wir verabschieden uns und schlendern dann langsam und nachdenklich heim, einerseits überaus froh darüber, dass wir wieder einmal helfend zupacken konnten, andererseits auch irgendwie ein wenig traurig - traurig darüber, dass das Leben immer wieder so schwere Lern-Aufgaben für uns Menschen bereit hält.

Ein Verlust, der so sehr am Herzen zerrt… da kann auch L・E・O leider nicht helfen, nur ein wenig lindern !

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